Wien (OTS) – „Wenn es so wie heuer eine ganz starke Hitzewelle gibt,
dann hilft
Panik am allerwenigsten und Panikmache noch weniger. Dann geht es
darum, einen kühlen Kopf zu bewahren und dafür zu sorgen, dass die
Wiener*innen möglichst sicher durch diese Tage kommen“, betonte Nina
Abrahamczik, SPÖ-Gemeinderätin und Vorsitzende des Ausschusses für
Klima, Umwelt, Demokratie und Personal, heute in der Sitzung des
Wiener Gemeinderats auf Verlangen der Grünen. Der Sommer mit
Spitzenwerten von 41 Grad habe ganz Europa gefordert. Wien könne
dabei auf ein Fundament bauen, das über Jahrzehnte gewachsen ist:
Klimaschutzprogramme gibt es seit den 1990er-Jahren, in den
vergangenen fünf Jahren wurden die Anstrengungen deutlich
intensiviert.
Grünraum und Wasser als Rückgrat
Mit 52 Prozent Grünraumanteil starte Wien aus einer starken
Position, so Abrahamczik. Paris etwa kommt auf rund 19 Prozent.
Während andere Gemeinden heuer über Nacht das Trinkwasser abdrehen
mussten, fließen in Wien jährlich Hunderte Millionen Euro in die
Wasserversorgung. Die Wiener Stadtgärten nutzen in vielen Parks
Brunnenwasser und setzen auf das Schwammstadtprinzip: Niederschlag
versickert über Sickerschächte und bleibt vor Ort für die weitere
Verwendung erhalten. Dazu wachsen pro Jahr rund 4.500 neue
Straßenbäume in den Grätzln.
Von der Wärmestube zur Coolen Zone
„Wenn ich als Sozialdemokratin zurückdenke: Früher, als Leute
nicht heizen konnten, haben wir Wärmestuben angeboten. Heute sind das
in den Hitzephasen Coole Zonen“, sagte Abrahamczik. 38 davon gibt es
mittlerweile und diese Zahl ist in den letzten drei Jahren kräftig
gestiegen, der Ausbau geht weiter. Ebenso zentral sind die 1.800
Trinkbrunnen im öffentlichen Raum: „Das ist mehr, als ganz
Deutschland hat. Und gerade in einer Hitzewelle ist es umso
wichtiger, zu Wasser zu kommen, ohne dafür zahlen zu müssen.“
Nebelduschen und Wasserspiele, die gerne als Verschwendung
kleingeredet würden, bringen armutsbetroffenen Familien sowie
wohnungs- und obdachlosen Menschen spürbare Erleichterung. Die
Ausschussvorsitzende verwies dazu auf die Erfahrungen von Volkshilfe
und Caritas.
Bäder: Tarife bleiben, Öffnungszeiten wurden verlängert
Die Wiener Sozialdemokratie habe eine Strategie und plane
vorrausschauend, deshalb: „Die Bädertarife werden nächstes Jahr nicht
erhöht.“ Neben Familien- und Kombibädern bietet Wien 63 Kilometer
frei zugänglichen Badestrand. Als die Temperaturen weiter kletterten,
verlängerte die Stadt die Öffnungszeiten der Wiener Bäder, während
andere Gemeinden ihre Bäder aus Budgetgründen sogar schließen müssen.
Hitzeaktionsplan und Hitzestab sind längst Realität
Wenig Verständnis zeigte Abrahamczik für Forderungen nach
Instrumenten, die es bereits gibt. Statt eines neuen Hitzeschutzplans
verwies sie auf den Hitzeaktionsplan, den die Bereichsleitung Klima,
die gerade ihr fünfjähriges Bestehen feiert, gemeinsam mit dem Wiener
Klimarat erarbeitet hat: „Den Wiener Hitzeaktionsplan gibt es. Er ist
nicht geheim, sondern öffentlich zugänglich und wird mit Expert*innen
laufend evaluiert und weiterentwickelt.“ Auch der geforderte
Hitzekrisenstab existiert bereits als Hitzestab, der besonnen und
strategisch arbeitet und sich vor allem in der zweiten Hitzewelle
bewährt hat. Ihre Warnung: „Das Allerschlimmste, was passieren kann,
ist, dass das Thema Hitze eine PR-Show wird, bei der es nur darum
geht, wer lauter schreit und wer mehr Angst verbreiten kann.“
Klimagesetz und Klimafahrplan: Wien geht voran
Wien hat als erstes Bundesland ein Klimagesetz umgesetzt, in dem
vulnerable Gruppen ausdrücklich verankert sind. Im Bund blieb ein
solches Gesetz unter grüner Regierungsbeteiligung fünf Jahre lang
aus. Der neue Klimafahrplan liegt derzeit zur öffentlichen
Begutachtung auf und rückt Hitze sowie Wasserversorgung stark in den
Mittelpunkt. Für den Beschluss im Frühjahr wünscht sich Abrahamczik
eine breite Mehrheit, 2022 stimmten vier von fünf Fraktionen zu:
„Gemeinsam diese Schritte zu setzen und gemeinsam dahinterzustehen,
wird wesentlich dazu beitragen, dass wir die Transformation dieser
Stadt gut schaffen, um auch in Zeiten der Klimakrise die hohe
Lebensqualität für die Wienerinnen und Wiener sicherzustellen.“
Abschließend dankte sie allen, die laufend zum Hitzeschutz
beitragen, allen voran den Mitarbeiter*innen der Stadt, die
Strategien und Konzepte Tag für Tag mit Leben füllen.
(Schluss) sh