Wien (OTS) – Die Region ist bekannt für ihre mächtigen Berge, ihre
uralten Wälder
und eines der seltensten Tiere Europas, den Marsischen Braunbären.
Nur hier leben noch rund 80 Exemplare dieser isolierten
Bärenpopulation. Die neue „Universum“-Dokumentation „Die
Abruzzenbärin – Das wilde Herz Italiens“ erzählt am Dienstag, dem 27.
Oktober 2026, um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON die berührende
Geschichte einer dieser Bärinnen. Über mehrere Jahre hinweg
begleiteten die Filmemacher Luca Verducci und Paolo Forconi die Bärin
„Amarena“ und ihre Jungen. Das Ergebnis sind einzigartige Aufnahmen
vom Verhalten der Tiere, wie sie bisher kaum zu sehen waren. Die
Dokumentation entstand als Koproduktion von ORF und dreiD.at in
Zusammenarbeit mit ORF-Enterprise.
Anders als die meisten ihrer scheuen Artgenossen wagte sich
Amarena immer wieder in die Nähe menschlicher Siedlungen. Die
Bewohnerinnen und Bewohner der kleinen Gemeinde Villalago gaben ihr
ihren Namen, nachdem sie regelmäßig in deren Gärten und Obstgärten
auf Nahrungssuche gegangen war – immer auf der Suche nach den süßen
Amarenakirschen. So entstand eine einzigartige und seltene Beziehung
zwischen den Menschen im Dorf und der Bärin. Amarena wurde zum Symbol
ihrer bedrohten Art. Wie außergewöhnlich diese Bärin war, zeigte sich
auch bei den Dreharbeiten. Zoologe Paolo Forconi und Kameramann Luca
Verducci beobachteten die Bärenfamilie über mehrere Jahre hinweg.
„Die Geschichte von Amarena ist das Ergebnis eines sechsjährigen
Filmprojekts – eine lange und herausfordernde Reise, die uns viel
Geduld und Ausdauer abverlangt hat. Hinter diesem Film stehen
unzählige Stunden der Recherche, Beobachtung und Dreharbeiten, viele
Tage ohne verwertbare Aufnahmen, aber auch außergewöhnliche
Verhaltensweisen, die zuvor noch nie gefilmt wurden“, erinnert sich
Verducci.
Für Aufsehen sorgte Amarena, als sie eines Tages mit gleich vier
Bärenkindern durch das Dorf Villalago spazierte. Nicht alle Jungen
stammten von ihr – zwei hatte sie adoptiert. Die Bewohnerinnen und
Bewohner bewunderten ihr sanftes Wesen und ihre bemerkenswerte
Fürsorge für ihren Nachwuchs. Und nicht nur sie: Immer mehr Menschen
aus dem Umland kamen, um zu beobachten, wie Amarena ihren Jungen
beibrachte, Straßen zu überqueren, Zäune zu überwinden und Kirschen
zu pflücken. Sie lehrte sie alles, was sie brauchten, um unter den
rauen Bedingungen der Abruzzen zu bestehen – bis sie groß genug
waren, um eigene Wege zu gehen.
Doch nicht nur die Marsischen Braunbären standen im Mittelpunkt
der Filmarbeiten. Die Abruzzen sind auch ein wichtiges Rückzugsgebiet
für den Apenninwolf, der ebenfalls immer häufiger Opfer von Wilderei
wird. Wie Wölfe und Bären miteinander interagieren und um Beute
konkurrieren, haben die Filmemacher in eindrucksvollen Bildern
festgehalten. Wissenschafter Paolo Forconi erzählt: „In den
vergangenen zehn Jahren gelangen mir außergewöhnliche Aufnahmen, von
denen ich nie zu träumen gewagt hätte: von Amarena mit ihren vier
Jungen bis hin zu einem jungen Bären, der gemeinsam mit zwei Wölfen
an einem Hirschkadaver fraß – nur wenige Meter von mir entfernt, in
einer abgelegenen Bergregion.“
Nachdem ihre Kinder selbstständig geworden waren, kehrte Amarena
mit zwei neuen Jungen nach Villalago zurück. Doch diesmal war vieles
anders. Das Nahrungsangebot war geringer und sie war gezwungen,
unbekannte Gebiete aufzusuchen – Gebiete, in denen Bären nicht
willkommen sind. Dann passiert es. Es ist August. Eine warme
Sommernacht. Amarena steigt über einen Gartenzaun und sucht nach
Futter. Ein Schuss hallt durch die Nacht. Amarena ist tot. Ihre
beiden Jungen sind nun Waisen und von diesem Moment an auf sich
allein gestellt. Für Paolo Forconi war dieser Verlust besonders
schmerzhaft: „Mein Wunsch war es immer, auch ein friedliches
Zusammenleben zwischen Menschen und Marsischen Braunbären zu erleben.
Doch leider sind wir davon noch weit entfernt.“
Amarenas Geschichte endet nicht mit ihrem Tod. Ihr Schicksal
löste in Italien und weit darüber hinaus Bestürzung aus und rückte
die fragile Welt der letzten Marsischen Bären ins Bewusstsein der
Menschen. Es ist ein Aufruf, Wildtiere mit anderen Augen zu sehen und
zu verstehen, dass Koexistenz bedeutet, den Lebensraum mit ihnen zu
teilen und ihnen mit Respekt zu begegnen.
„Amarena und ihre vier Jungen stehen im Mittelpunkt einer
bewegenden Geschichte voller Höhen und Tiefen. Wir haben uns bewusst
für eine Erzählweise aus ihrer Perspektive entschieden, um dem
Publikum einen möglichst unmittelbaren und emotionalen Zugang zu
ihrem Leben zu ermöglichen“, erzählt Luca Verducci. Das ist dem Team
eindrucksvoll gelungen.