Politik

ÖGB-Frauen: „Mehr Geld hilft nicht“? Für Alleinerziehende ist das ein Schlag ins Gesicht

Wien (OTS) – Mit scharfer Kritik reagieren die ÖGB-Frauen auf einen
mittlerweile
offline genommenen Ratgeber des Bundeskanzleramts für
Alleinerziehende. Darin wurde unter der Überschrift „Erste Hilfe bei
Selbstmitleid“ unter anderem suggeriert, finanzielle Probleme würden
nicht durch mehr Geld gelöst. Nach massiver öffentlicher Kritik wurde
die Broschüre inzwischen zurückgezogen.

„Für hunderttausende Alleinerziehende in Österreich ist diese
Botschaft ein Schlag ins Gesicht“, sagt ÖGB Bundesfrauensekretärin
Dorottya Kickinger. „Wer jeden Monat darum kämpfen muss, die Miete zu
bezahlen, Kinderbetreuung zu organisieren und den Wocheneinkauf zu
finanzieren, braucht keine Belehrungen über die richtige Einstellung.
Er braucht finanzielle Sicherheit und politische Unterstützung“, so
die Gewerkschafterin.

Besonders problematisch sei die Haltung, die hinter der Broschüre
sichtbar werde, unterstreicht Kickinger: „Das ist kein unglücklicher
Formulierungsfehler, sondern Ausdruck einer gefährlichen Denkweise.
Menschen, die unter enormem Druck stehen, wird suggeriert, sie
müssten einfach positiver denken, anstatt ihre tatsächlichen Probleme
ernst zu nehmen. Damit werden die strukturellen Herausforderungen von
Alleinerziehenden unsichtbar gemacht.“

Für Kickinger ist klar: „Natürlich löst Geld nicht jedes Problem.
Aber fehlendes Geld verschärft nahezu jedes Problem. Armut bedeutet
Verzicht, Stress, Existenzängste und schlechtere Chancen für Kinder.
Wer Frauen mit leeren Geldbörsen erklärt, Geld sei nicht die Lösung,
hat die Lebensrealität von Alleinerziehenden nicht verstanden.“

Die Zahlen zeigten seit Jahren, dass Alleinerziehende zu den am
stärksten armutsgefährdeten Gruppen in Österreich gehören. Viele
arbeiten bereits, oftmals in Teilzeit, weil ausreichende
Kinderbetreuungsangebote fehlen. Gleichzeitig steigen Wohn- und
Lebenshaltungskosten kontinuierlich.

„Alleinerziehende brauchen keine Ratschläge gegen angebliches
Selbstmitleid. Sie brauchen faire Löhne, existenzsichernde Einkommen
und einen flächendeckenden Ausbau der ganztägigen Kinderbetreuung“,
fordert Kickinger: „Politik muss die Lebensrealität von
Alleinerziehenden endlich ernst nehmen, statt sie mit undurchdachten
Lebensweisheiten abzuspeisen.“

Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
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