Barrierefreiheit: Ein Thema, das uns alle angeht!
Am 28. Juni 2025 trat in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) in Kraft, das den European Accessibility Act (EAA) auf nationaler Ebene umsetzt. Dieses Gesetz verpflichtet Unternehmen, ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten. Aber was bedeutet das eigentlich? Barrierefreiheit im digitalen Kontext bedeutet, dass Websites und Apps so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen genutzt werden können, unabhängig von möglichen Einschränkungen wie Seh- oder Hörbehinderungen.
Was ist der European Accessibility Act?
Der European Accessibility Act ist eine Richtlinie der Europäischen Union, die darauf abzielt, die Zugänglichkeit von Produkten und Dienstleistungen in den EU-Mitgliedstaaten zu verbessern. Das Ziel ist es, Hindernisse für Menschen mit Behinderungen zu beseitigen und ihnen die gleichberechtigte Teilhabe an der digitalen Welt zu ermöglichen. In Österreich wurde diese Richtlinie nun durch das BaFG umgesetzt.
Alarmierende Zahlen: Österreichs Unternehmen im Rückstand
Eine aktuelle Studie von EY Österreich und risikomonitor.com zeigt, dass nur zwei Prozent der analysierten Websites in Österreich den gesetzlichen Anforderungen an Barrierefreiheit entsprechen. Im Durchschnitt weist jede Startseite 4,42 Fehler auf, wie fehlende Alternativtexte für Bilder, unzureichende Kontraste oder nicht bedienbare Navigationen. Diese Mängel sind nicht nur ein rechtliches Problem, sondern schließen auch viele potenzielle Nutzer aus.
Wer ist betroffen?
Von der Verpflichtung ausgenommen sind lediglich Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten oder einem Umsatz unter zwei Millionen Euro. Doch für rund 70.800 Unternehmen in Österreich gilt das Gesetz in vollem Umfang. Wer die Vorgaben missachtet, riskiert Verwaltungsstrafen und den Ausschluss großer Bevölkerungsgruppen als Kunden oder Nutzer.
Die Folgen für die Bürger
Für viele Menschen mit Behinderungen ist das Internet eine wichtige Ressource, sei es für den Einkauf, die Informationsbeschaffung oder die Kommunikation. Wenn Websites nicht barrierefrei sind, wird ihnen der Zugang zu diesen Ressourcen erschwert oder gar unmöglich gemacht. Dies kann zu einer erheblichen Einschränkung ihrer Lebensqualität führen.
Experten warnen vor den Konsequenzen
„Die digitale Barrierefreiheit stößt in Österreich auf zahlreiche Hürden. Dabei birgt sie enormes Potenzial – für mehr Teilhabe und für neue Märkte“, sagt Anja Hennrich-Huber, Director im Bereich Technology Transformation bei EY Österreich. Jasmin Löw-Beer, Gründerin und Geschäftsführerin von risikomonitor.com, ergänzt: „Gerade junge Unternehmen zeigen, dass Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht werden kann – das verbessert nicht nur die Zugänglichkeit, sondern auch die allgemeine User Experience.“
Ein Blick über die Grenzen: Wie machen es andere?
Im internationalen Vergleich schneiden österreichische Unternehmen mit 4,49 Fehlern pro Startseite schlechter ab als der Durchschnitt. In Ländern wie Schweden oder den Niederlanden ist die Barrierefreiheit bereits weiter fortgeschritten. Dort werden digitale Lösungen von vornherein barrierefrei gestaltet, was nicht nur den Nutzern, sondern auch den Unternehmen zugutekommt.
Warum hinkt Österreich hinterher?
Ein Grund für den Rückstand könnte die fehlende Sensibilisierung für das Thema sein. Viele Unternehmen sind sich der Bedeutung und der rechtlichen Anforderungen der Barrierefreiheit nicht bewusst. Zudem fehlt es oft an technischen Ressourcen oder Know-how, um die notwendigen Anpassungen vorzunehmen.
Die nächsten Schritte: Was muss getan werden?
Um die Situation zu verbessern, müssen Unternehmen in Österreich dringend handeln. Die Studienautoren empfehlen, die Barrierefreiheit von Websites und digitalen Produkten zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Dazu steht unter https://audit.riskmonitor.cloud ein kostenloses Tool zur Verfügung, mit dem Unternehmen testen können, wie barrierefrei ihre Website derzeit ist und wo konkreter Handlungsbedarf besteht.
Ein Zukunftsausblick
Die Umsetzung der Barrierefreiheit ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch eine Chance für Unternehmen, neue Kundengruppen zu erschließen. In einer alternden Gesellschaft wird die Nachfrage nach barrierefreien Lösungen weiter steigen. Unternehmen, die jetzt handeln, können sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Inklusion leisten.
Fazit: Jetzt handeln, bevor es zu spät ist!
Das Barrierefreiheitsgesetz in Österreich ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer inklusiveren Gesellschaft. Doch die alarmierenden Zahlen der aktuellen Studie zeigen, dass noch viel zu tun ist. Unternehmen müssen die Barrierefreiheit ihrer digitalen Angebote ernst nehmen und die notwendigen Anpassungen vornehmen. Nur so können sie sicherstellen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der digitalen Welt teilhaben können.
Die vollständigen Studienunterlagen stehen hier zum Download zur Verfügung.