Wien (OTS) – Laut der gestern veröffentlichten Zahlen der
Österreichischen
Gesundheitskasse (ÖGK) sind 97 Prozent der Planstellen für
Vertragsärztinnen und -ärzte besetzt. Der niedergelassene Bereich ist
das Fundament des Gesundheitssystems. Deshalb ist es besonders
wichtig, die vorhandenen Kassenstellen zu besetzen und so die
Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. „Auch in Wien
sind die vorhandenen Kassenplanstellen fast vollständig besetzt“,
sagt Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte
in Wien. Dies gelingt dank der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen
der Ärztekammer und der ÖGK. „Auch wenn wir nicht immer einer Meinung
sind, arbeiten wir seit Jahrzehnten gemeinsam erfolgreich an der
Besetzung der Stellen.“
Die flächendeckende Gesundheitsversorgung findet aber auch
deshalb statt, weil die Ärztinnen und Ärzte trotz der
herausfordernden Umstände an einer bestmöglichen Patientenversorgung
arbeiten. „Mein besonderer Dank gilt deshalb den Vertragsärztinnen
und -ärzten, die die Versorgung sicherstellen, auch wenn dies
bedeutet, Leistungen zu übernehmen, die nur unzureichend im
Leistungskatalog abgedeckt sind. Gleichermaßen möchte ich mich bei
den Wahlärztinnen und -ärzten bedanken, die zuverlässig
Versorgungslücken schließen, auch wenn sie sich seitens der Politik
zunehmend mit Hürden und mangelnder Wertschätzung konfrontiert
sehen“, sagt Steinhart.
Aufgrund der demografischen Entwicklung und alternden
Gesellschaft wird der Versorgungsbedarf weiter massiv steigen. Um dem
Rechnung zu tragen, muss die ÖGK mit ausreichend Geldmitteln
ausgestattet werden. „Dies ist kürzlich in einem ersten Schritt auch
geschehen“, zeigt sich Steinhart positiv, dass diese Forderung der
Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien von der Politik Gehör findet.
Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für
Ärztinnen und Ärzte in Wien und Kurienobfrau der niedergelassenen
Ärzte, verweist dennoch auf die kritische Situation in den
sogenannten Mangelfächern: „In Fächern wie der Allgemeinmedizin,
Dermatologie, Gynäkologie oder Kinder- und Jugendheilkunde stehen wir
vor dem Problem, dass die vorhandenen Kassenplanstellen einerseits
den Bedarf nicht decken und andererseits gerade in diesen Bereichen
offene Stellen aufgrund mangelnder Attraktivität nicht besetzbar
sind.“ Die Nachbesetzung ist deshalb so schwierig, weil die Tarife in
vielen Bereichen den tatsächlichen Aufwand nicht abdecken, wie etwa
in der Zuwendungsmedizin. „Gespräche und Aufklärung sind aber
zentrale Bestandteile einer qualitativ hochwertigen Versorgung“, so
Kamaleyan-Schmied.
Mit der in der Gesundheitsreform geplanten Flexibilisierung der
Kassenverträge wird einer der zentralsten Wünsche der Ärzteschaft
realisiert, für den sich Kamaleyan-Schmied seit Langem eingesetzt
hat. „Nun muss auch noch der Leistungskatalog modernisiert und an den
Versorgungsbedarf angepasst werden, um den Ärztinnen und Ärzten eine
faire Honorierung ihrer Tätigkeit zu gewährleisten. Ziel muss sein,
das Kassensystem in allen Fachgebieten so attraktiv zu machen, dass
Ärztinnen und Ärzte gerne darin arbeiten und die Bedürfnisse der
Patientinnen und Patienten erfüllt werden können.“
Viele Kassenstellen sind zudem zwar vergeben, aber nicht
versorgungswirksam, da etwa noch nach einer Immobile gesucht wird,
was sich in einer Großstadt wie Wien angesichts der steigenden
Immobilienpreise oft schwierig gestaltet. „Viele Kolleginnen und
Kollegen wollen Ordinationen gründen, sehen sich aber im
Gründungsprozess mit vielen Hürden und Herausforderungen
konfrontiert. Wir Ärztinnen und Ärzte wünschen uns deshalb eine
Vereinfachung der Ordinationsgründung und Unterstützung beim
Gründungsprozess“.
Primärversorgungseinheiten
Eine moderne Gesundheitsversorgung beruht auf dem Zusammenspiel von
Einzelordinationen, Gruppenpraxen und Primärversorgungseinheiten (PVE
). Die Stärkung der Primärversorgung und der Ausbau der PVE ist ein
wichtiges Element zur Versorgung der Bevölkerung. Allerdings sind
Zentren, nicht zuletzt aufgrund des langwierigen und aufwendigen
Gründungsprozesses, nicht die Lösung aller Probleme. „Die größten
Herausforderungen hinsichtlich PVE sind die Immobiliensuche,
Personalsuche, Gründungsfinanzierung und die laufenden Kosten“,
berichtet Kamaleyan-Schmied aus eigener Erfahrung.
Präsident Steinhart: „Die erfolgreiche Umsetzung eines
zukunftsfähigen Gesundheitssystems gelingt nur unter Einbeziehung der
ärztlichen Expertise. So haben wir für den Ausbau des
niedergelassenen Bereichs Ideen und Konzepte vorbereitet, die rasch
und unkompliziert umsetzbar wären. Beispielsweise durch die
Realisierung sogenannter PVE light, indem Einzelordinationen die
Anstellung von anderen Gesundheitsberufen wie zum Beispiel von
Diätologinnen und Diätologen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern
ermöglicht wird. Oder durch konkrete Konzepte für die Entwicklung und
Umsetzung von Facharztzentren.“ Die Kammer steht mit ihrer fachlichen
Kompetenz jederzeit bereit, sich in die Weiterentwicklung der
bestmöglichen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung einzubringen.