Wien. (OTS) – GBH und Stein- und keramische Industrie: Fördergelder
vernünftig
einzusetzen. Thermische Sanierung schützt vor Hitze und Kälte, senkt
dauerhaft den Energieverbrauch und sichert heimische Arbeitsplätze.
Die erste Hitzewelle 2026 hat erneut gezeigt, dass Österreich
seine Gebäude schneller klimafit machen muss. Für die Gewerkschaft
BAU-HOLZ (GBH) und die Stein- und keramische Industrie ist klar: Der
wirksamste Schutz vor extremer Hitze beginnt bei einer gut gedämmten
Gebäudehülle. Thermische Sanierungen halten Hitze im Sommer draußen
und Wärme im Winter im Gebäude. Sie senken dauerhaft den
Energieverbrauch, entlasten Haushalte, sichern und schaffen
gleichzeitig Arbeitsplätze in Österreich.
Was die Zahlen zeigen
Wie groß der Unterschied tatsächlich ist, zeigen aktuelle
Messungen im VIVA Forschungspark, einem der größten Versuchsgelände
Europas für vergleichende Baustoffforschung: Bei einer
Außentemperatur von 37,4 Grad blieb es in einem gut gedämmten Haus
mit 24,5 Grad Raumtemperatur knapp 5 Grad kühler als in einem
baugleichen, ungedämmten Gebäude mit 29,5 Grad. Auch im Winter zeigt
sich der Effekt deutlich: Bei einem simulierten mehrtägigen
Heizausfall sank die Temperatur in einem ungedämmten Haus auf rund 10
Grad, während sie in einem vergleichbaren gedämmten Gebäude auch nach
zwei Tagen noch bei erträglichen 17 Grad lag. Der Grund liegt auf der
Hand: Ein ungedämmtes Haus erhitzt sich stark im Sommer, kühlt rasch
aus im Winter und benötigt für ein angenehmes Raumklima rund
zweieinhalb Mal so viel Energie wie ein gedämmtes.
Sanieren schützt Menschen und schafft Arbeit
Die thermische Sanierungsrate ist in Österreich 2024 auf 0,9
Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Dämmstoffmarkt seit 2021 um
rund 30 Prozent eingebrochen. Für die GBH sind das alarmierende
Entwicklungen. Denn jede nicht durchgeführte Sanierung bedeutet
weniger Aufträge für heimische Betriebe und weniger Beschäftigung.
Was bringt das den Menschen konkret?
Was auf den ersten Blick nach Technik-Debatte klingt, hat sehr
direkte Auswirkungen auf den Alltag der Menschen:
– Dauerhafte niedrigere Energiekosten
– Kühlere Wohnungen im Sommer, ohne dass jeder Haushalt eine eigene
Klimaanlage anschaffen und betreiben muss
– Mehr Sicherheit bei Blackouts, Kälte- und Hitzeperioden – ein gut
gedämmtes Zuhause kühlt im Ernstfall deutlich langsamer aus – der
Wärmeverlust im Winter ist geringer und langsamer
– Gesündere Raumluft und weniger Schimmelrisiko durch stabilere
Wandoberflächentemperaturen
– Stabilere Betriebskosten für Mieter:innen, weil energieeffiziente
Gebäude weniger anfällig für Preisspitzen bei Energie sind.
– Sichere, regionale Arbeitsplätze statt Wertschöpfung im Ausland
Zuerst die Gebäudehülle – dann die Technik
Mit jeder Hitzewelle wird der Ruf nach mehr Klimaanlagen lauter.
Für GBH und Stein- und keramische Industrie greift diese Diskussion
zu kurz. Bei den Klimaanlagen darf nicht derselbe Fehler passieren
wie beim Heizkesseltausch: Eine neue Heizung oder Klimaanlage kann
ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn auch die Gebäudehülle stimmt.
Andernfalls geht im Winter Wärme und im Sommer Kälte ungenutzt
verloren – das belastet Geldbörse, Stromnetz und Klima gleichermaßen.
Drei gemeinsame Forderungen
GBH und Stein- und keramische Industrie fordern daher:
– Nachhaltige Investitionen in die thermische Sanierung, insbesondere
bei Mehrparteienhäusern sowie leistbaren Wohnungen, wo die Belastung
durch Hitze besonders groß ist.
– Förderungen für Heizungs- oder Klimaanlagen sollen künftig nur
gemeinsam mit Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudehülle gewährt
werden. Nur eine gut gedämmte Gebäudehülle macht Heiz- und
Kühlsysteme dauerhaft effizient und sorgt dafür, dass öffentliche
Fördergelder nachhaltig eingesetzt werden. Wien zeigt bereits, wie es
geht.
– Gezielte Ausbildung von Fachkräften, damit ausreichend
qualifiziertes Personal für die notwendige Sanierungsoffensive zur
Verfügung steht.
Josef Muchitsch: „Zuerst die Gebäudehülle – dann die Technik“
„Die Hitzewellen werden häufiger und stärker. Thermische
Sanierungen schützen Menschen vor Hitze im Sommer und vor Kälte im
Winter. Gleichzeitig sichern sie Arbeitsplätze und stärken unsere
heimischen Betriebe. Wir dürfen bei den Klimaanlagen nicht denselben
Fehler machen wie beim Heizkesseltausch. Wer nur die Technik fördert
und auf die Gebäudehülle vergisst, löst das Problem nicht. Jeder
Euro, der heute in die thermische Sanierung investiert wird, schützt
Menschen, sichert gute Arbeitsplätze und stärkt unsere heimischen
Betriebe“
Robert Schmid: „Sanieren heißt in die Zukunft investieren“
„Die Lösung gegen zunehmende Hitze liegt nicht in einem höheren
Energieverbrauch, sondern in intelligenten Gebäuden. Die günstigste
und nachhaltigste Energie ist jene, die gar nicht erst verbraucht
werden muss. Unsere Unternehmen investieren seit Jahren intensiv in
Forschung und Entwicklung, damit diese Lösungen laufend verbessert
werden. Die Technologien sind vorhanden. Jetzt braucht es den
politischen Willen, die thermische Sanierung deutlich zu
beschleunigen.”