PRO-GE Binder zu Insolvenzentgeltfonds: Arbeitgeber dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen

Wien (OTS) – „Beschäftigte müssen im Falle einer Insolvenz umfassend
geschützt
sein. Niemand soll gearbeitet haben, ohne den ihm zustehenden Lohn zu
erhalten“, so der Bundesvorsitzende der Produktionsgewerkschaft (PRO-
GE), Reinhold Binder, zur laufenden Debatte rund um die fehlenden
Gelder für den Insolvenzentgeltfonds. Er schließt sich daher den
Forderungen nach einer Erhöhung des IESG-Zuschlags an, der nach einer
Absenkung seit 2022 nur mehr bei 0,1 Prozent liegt. „Die Nachricht,
dass das Unternehmen, in dem man beschäftigt ist, insolvent ist,
trifft Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer meist wie ein Blitz aus
heiterem Himmel. Der Insolvenzentgeltfonds gibt Sicherheit, nicht um
die eigenen Ansprüche umzufallen. Eine ausreichende Dotierung, für
die die Arbeitgeber zu sorgen haben, ist daher für uns nicht
verhandelbar“, unterstreicht Binder.

Es sei auch nicht einzusehen, dass nun die Arbeiterkammer
einspringen oder der Fonds nun einen Kredit aufnehmen solle, um
seinen Verpflichtungen nachzukommen. Viele Insolvenzen seien auf
Managementfehler zurückzuführen, sagt Binder und nennt in diesem
Zusammenhang KTM und Kika/Leiner. „Die Arbeitgeber dürfen sich nicht
aus der Verantwortung stehlen und verlangen, dass die Beschäftigten
eines Unternehmens und die Steuerzahler das Risiko für
Fehlentscheidungen allein tragen“, sagt Binder, der an
Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und die Arbeitgeberseite
appelliert, einer gerechten Lösung nicht im Wege zu stehen.

Es falle auf, dass die Arbeitgeberseite nur mehr den Profit im
Blick hat, das Gemeinwohl aber aus den Augen verliert. „Österreich
hat jahrelang vom sozialen Frieden profitiert, weil Arbeitgeber wie
Arbeitnehmer:innen auf den Ausgleich geachtet haben. Derzeit scheint
es, als wolle die Arbeitgeberseite den Konsens aufkündigen und auf
Kosten der Beschäftigten die Gewinne maximieren“, so der
Gewerkschafter. Diese Strategie sei aber kurzsichtig, denn Österreich
zeichne sich durch gut ausgebildete und hochmotivierte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus.

„Wer ständig soziale Absicherung und faire Behandlung verweigert,
darf sich nicht wundern, wenn die Loyalität und damit auch die
Qualität schwindet“, betont Binder abschließend.