Brüssel/Berlin (OTS) – Wie die Tierindustrie EU-Tierschutzgesetze
verhindert – während
Millionen Tiere weiter in Käfigen leiden
Seit fünf Jahren verspricht die EU-Kommission einen schrittweisen
Ausstieg aus der Käfighaltung. Ein verbindlicher Zeitplan oder
konkrete Gesetzesvorschläge liegen bis heute nicht vor. Und das,
obwohl wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig belegen, wie
leidvoll die Käfighaltung ist, und auch EU-Bürger*innen seit Jahren
ein Verbot fordern. Was hält die Politik also vom Handeln ab? Eine
Auswertung von Animal Equality zeigt jetzt, welche Rolle die
Agrarlobby dabei spielt.
Bereits im Jahr 2023 soll European Livestock Voice (ELV) – eine
Interessengruppe der europäischen Nutztierhaltung – „privilegierte
Kanäle“ zu Kommissionsvertreter*innen „auf hoher Ebene“ genutzt
haben, um die wirtschaftlichen Interessen der Agrarindustrie
durchzusetzen – das berichteten die Investigativjournalist*innen von
Lighthouse Reports. European Livestock Voice ist ein Zusammenschluss
der mächtigsten Lobbyverbände der Tierhaltungsindustrie. Mit diesem
Einfluss soll ELV das von der EU-Kommission versprochene und geplante
Verbot der Käfighaltung blockiert haben.
Animal Equality hat durch einen Antrag auf Informationsfreiheit
aufgedeckt: Dasselbe Bündnis wirkte auch nach 2023 intensiv auf die
EU-Kommission ein. Die Tierschutzorganisation hat Einsicht in interne
Dokumente angefragt, die den Kontakt zwischen ELV und EU-
Landwirtschaftskommissar Hansens Kabinett belegen – sie geben
Einblicke in die Inhalte und Themen. Nachdem die Agrarlobby ihre
Empfehlungen geäußert hatte, fanden sich diese Monate später in der
politischen Agenda der EU-Kommission wieder – während seit Jahren
versprochene Tierschutzgesetze weiter auf sich warten lassen. Derweil
leiden rund 300 Millionen Schweine, Hühner, Kaninchen und andere
Tiere in der EU in Käfigen, die oftmals kaum größer sind als ihre
eigenen Körper. Den Tieren wird jede Möglichkeit genommen, ihre
natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.
Chronologie der Einflussnahme
20. Dezember 2024 – Brief der ELV: Gerade einmal drei Wochen nach
Hansens Amtsantritt als EU-Landwirtschaftskommissar schickte die
European Livestock Voice einen Brief an das Kabinett des Kommissars.
Er wurde unterzeichnet von acht großen Branchenverbänden, darunter
AVEC (Geflügelindustrie), Euro Foie Gras (Stopfleber), UECBV (
Fleischindustrie) und Fur Europe (Pelzindustrie).
Was die Agrarlobby darin unter anderem empfiehlt:
– Umfassende sozioökonomische Folgenabschätzungen müssten als
„kritischer erster Schritt“ vor jeder neuen Tierschutzgesetzgebung
durchgeführt werden – mit Fokus auf die wirtschaftlichen Auswirkungen
für die Industrie
– Lange Übergangsfristen für neue Regelungen
– Finanzielle Unterstützung für die Branche und mehr Förderung von
Tiergenetik und „Effizienz-Technologien“
– Widerstand gegen Ernährungsempfehlungen , die vom Konsum tierischer
Produkte abraten, und Schutz vor Maßnahmen, die die „wirtschaftliche
Rentabilität“ der Tierhaltungsindustrie gefährden könnten
19. Februar 2025 – EU veröffentlicht Vision für Landwirtschaft
und Ernährung: Knapp zwei Monate nach dem Industrie-Brief
präsentierte Kommissar Hansen die EU-Vision. Darin enthalten:
wirtschaftliche Folgenabschätzungen, lange Übergangsfristen und die
Betonung der „Lebensfähigkeit“ der Tierhaltungsindustrie – zentrale
Punkte, die die Lobby zuvor empfohlen hatte.
30. April 2025 – Treffen zwischen ELV und Kabinett: Das im
Dezember beantragte Treffen zwischen ELV und Hansens Kabinett fand zu
einem Zeitpunkt statt, als die Kommission ihre Nutztierstrategie (
Livestock Strategy) weiter ausarbeitete und sie konkrete
Gesetzesvorhaben vorbereiten sollte.
21. Oktober 2025 – EU-Arbeitsprogramm 2026 ohne
Tierschutzgesetze: Die EU-Kommission veröffentlichte ihr
Arbeitsprogramm für 2026 ohne Pläne für eine legislative Revision der
EU-Tierschutzgesetzgebung. Stattdessen kündigte sie nur eine nicht-
legislative Livestock Strategy für das zweite Quartal 2026 an. Die
seit Jahren versprochenen Gesetze zum Verbot von Käfighaltung wurden
erneut verschoben.
7. Juli 2026 – Nutztierstrategie mit vagen Tierschutz-
Versprechen: Die EU-Kommission legte ihre „Livestock Strategy“ vor.
Der Fokus: „Widerstandsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und
Nachhaltigkeit“ der Tierhaltungsindustrie. Tierschutz kommt vor, aber
nur als eine von fünf Prioritäten und ohne konkrete Zeitpläne. Die
Kommission kündigt Gesetzesvorschläge an und verspricht „gezielte
Revisionen“ der Tierschutzstandards für Legehennen, Masthühner und
Schweine – „evidenzbasiert und begleitet von angemessenen
Übergangsfristen und finanzieller Unterstützung“.
Die konkreten, verbindlichen Tierschutzgesetze lassen weiter auf
sich warten. Wann sie kommen und ob sie das endgültige Verbot von
Käfighaltung bringen werden, bleibt offen.
„Die Dokumente zeigen: Wirtschaftsinteressen haben Vorrang vor
Tierschutz. Während die EU-Kommission der Agrarlobby privilegierten
Zugang gewährt, leiden 300 Millionen Tiere weiter in Käfigen.
Millionen Bürgerinnen und Bürger haben ein Käfigverbot gefordert –
doch konkrete Gesetze lassen weiter auf sich warten.“
– Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland
Mit zahlreichen Protestaktionen, einem von EU-Bürger*innen
unterzeichneten Offenen Brief und einem von hochkarätigen Expert*
innen unterstützten Tierschutzappell hat Animal Equality in den
vergangenen Monaten unter anderem ein Verbot der Käfighaltung
gefordert. Die Kampagne „EU-Tierschutzreform – jetzt“ geht weiter,
bis die EU-Kommission ein Käfigverbot durchsetzt.
Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und
Gespräche zur Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren
Pressekontakt Till Hartmann via E-Mail an [email protected]
oder melden Sie sich telefonisch unter +49 (0)176 3004 0892.
Fotos und weitere Informationen:
– Pressekit
– Anfrage im Rahmen der Informationsfreiheit von Animal Equality an
die EU-Kommission
– Brief der European Livestock Voice an Kommissar Hansen vom 20.
Dezember 2024
– Vision der EU-Kommission für Landwirtschaft und Ernährung vom 19.
Februar 2025
– Nutztierstrategie der EU-Kommission vom 07. Juli 2026
– Kampagne von Animal Equality: „EU-Tierschutzreform – jetzt“
– Artikel von Lighthouse Reports zum politischen Einfluss von ELV (
2023)
Bildnachweis: Animal Equality / Abbildungen beispielhaft. Nur für
redaktionelle Berichterstattung im Zusammenhang mit der Kampagne „EU-
Tierschutzreform – jetzt“ von Animal Equality.
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Über Animal Equality
Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und
Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit
effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft,
Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier
Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor
Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit
der Plattform Love Veg zahlreiche Menschen bei ihrer
Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche
Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit,
Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-
Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich
genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality
Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.