Glasflügelzikaden als neue Herausforderung für Acker- und Gemüsebau

Wien (OTS) – Die unscheinbaren, wärmeliebenden Glasflügelzikaden
werden verstärkt
in Österreich festgestellt und könnten künftig als Überträger von
Krankheitserregern Ernten gefährden. Ein umfassendes Monitoring soll
helfen, die Entwicklung genau im Auge zu behalten und gezielte
Maßnahmen ableiten zu können.

Wenn Pflanzen welken, Knollen gummiartig werden oder Rüben einen
geringeren Zuckergehalt aufweisen, könnten dafür bestimmte
Zikadenarten verantwortlich sein. Gemeint sind Glasflügelzikaden, die
sich im Osten Österreichs immer stärker ausbreiten und erhebliche
Ertrags- und Qualitätsverluste auslösen können.

Gefährlich sind diese Zikadenarten deshalb, da sie unter anderem
die Erreger des „Syndroms der geringen Zuckergehalte“ (Syndrome
Basses Richesses = SBR) sowie der „Rubbery Taproot Disease“ (RTD),
auch bekannt als Stolbur-Krankheit in der Kartoffel, übertragen
können, wie Pflanzenschutz-Warndienst-Projektleiterin Vitore Shala-
Mayrhofer erläutert. „Durch ihre Saugtätigkeit besteht die Gefahr,
dass die Zikaden die Pflanzen mit bakteriellen Erregern infizieren.
Infolgedessen zeigen befallene Kulturen Symptome wie Welke,
Wachstumsstörungen und Veränderungen im Wurzel- oder Knollenbereich.
Typisch sind abgestorbene Gefäßbündel sowie sogenannte Gummirüben“,
so Shala-Mayrhofer.

Besonders gefährdet ist demnach die Zuckerrübe. Aber auch in
anderen Kulturen wie Kartoffeln, Karotten, roten Rüben und Sellerie
können die Erreger auftreten. Zudem begünstigen warme und trockene
Witterungsbedingungen sowohl die Entwicklung der Glasflügelzikaden
als auch den Krankheitsverlauf. In Jahren mit ausgeprägtem
Trockenstress ist daher mit einem erhöhten Schadrisiko zu rechnen.

Glasflügelzikaden bei Zuckerrüben in Warndienst-Monitoring
integriert

Im Unterschied zu manch anderen europäischen Ländern treten
hierzulande mehrere Arten als Überträger auf, darunter vorrangig die
Pfriemen-Glasflügelzikade (Reptalus quinquecostatus; in Publikationen
teilweise als Reptalus artemisiae geführt) und die Schilf-
Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus). Derzeit konzentriert
sich das Vorkommen vor allem auf das Burgenland und das Weinviertel,
wo die höchsten Populationsdichten festgestellt worden sind. In
anderen Regionen, etwa in Oberösterreich, wurden nur vereinzelt Tiere
gefunden.

Aktuelle Schadenssituation und Risikoentwicklung

„Nachweise von Glasflügelzikaden in Österreich gibt es schon
länger. Bisher sind die wirtschaftlichen Schäden in Österreich jedoch
noch gering. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen allerdings, dass
sich die Situation rasch ändern kann. In Deutschland etwa kam es nach
Jahren mit niedrigem Schadniveau plötzlich zu einem starken Anstieg
der Befallsintensität“, erläutert die Projektleiterin.

Ein zentrales Problem besteht darin, dass das bloße Auftreten von
Glasflügelzikaden keine direkte Aussage über das tatsächliche
Schadensrisiko erlaubt. Es kann Felder ohne nennenswerte Probleme,
aber mit vielen Zikaden geben, wenn diese keine Krankheitserreger in
sich tragen. Wie weit die Erreger bereits in Österreich verbreitet
sind, ist noch unzureichend erforscht.

Monitoring und Handlungsempfehlungen

„Aufgrund ernsthafter Probleme bei Zuckerrüben in Nachbarländern
wurde das Monitoring dieser Arten 2025 in den österreichischen
Pflanzenschutz-Warndienst integriert“, berichtet Shala-Mayrhofer. Um
die Entwicklung besser einschätzen zu können, führt das
Forschungszentrum der AGRANA (ARIC) seit einem Jahr zusammen mit der
Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und der
Landwirtschaftskammer Österreich im Rahmen des Projektes
Pflanzenschutz-Warndienst großflächig Beobachtungen durch. Dies macht
die AGES zusätzlich auch im Rahmen eines vom Land Oberösterreich
geförderten Projektes.

„Bei diesem Monitoring werden sowohl das Auftreten der Zikaden
als auch deren Rolle als Krankheitsüberträger untersucht“, erklärt
Shala-Mayrhofer. Unter https://warndienst.at/zikadenmonitoring+2500+
1131104 werden die Fangzahlen veröffentlicht.

Derzeit wurden erst relativ wenige Fänge auf den im Feld
aufgestellten Gelbtafeln für 2026 festgestellt. Die Ergebnisse werden
erst veröffentlicht, nachdem die Proben im Labor genau bestimmt
worden sind. Aufgrund der Trockenheit dürften heuer jedoch vermehrt
Nachweise in Österreich stattfinden. Eine Übersicht zur
Befallssituation vom Vorjahr bietet zudem die Monitoringkarte 2025.

„Für landwirtschaftliche Betriebe ist es entscheidend, Bestände
regelmäßig zu kontrollieren und auf typische Symptome zu achten.
Besteht der Verdacht, dass sich ein von den Zikaden übertragenes
Bakterium im Bestand ausbreitet, werden im Rahmen des Monitorings die
Pflanzenproben von der AGES analysiert, um einen Befall eindeutig
nachzuweisen“, so Shala-Mayrhofer.

„Eine gezielte Bekämpfung der Zikaden ist derzeit nur
eingeschränkt möglich und nicht in jedem Fall zielführend. Umso
wichtiger ist es, die Ausbreitung der Zikaden und der von ihnen
übertragenen Krankheitserreger konsequent zu beobachten, um gezielte
Bekämpfungsstrategien ableiten zu können“, betont die Pflanzenschutz-
Warndienst-Projektleiterin.

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