Wien (OTS) – Am 4. Dezember jährt sich der Geburtstag von Rainer
Maria Rilke zum
150. Mal. Ö1 widmet dem Lyriker aus diesem Anlass mehrere Sendungen:
„Punkt eins“ (28.11.), „Lebenskunst“ und „Du holde Kunst“ am 30.
November, „Tonspuren“ (2.12.), „Im Fokus“ (3.12.), „Stimmen hören“ (
4.12.) sowie ein dreiteiliges „Radiokolleg“ von 9. bis 11. Dezember.
ORF 2 sendet die Doku „Rilke – Du musst dein Leben ändern!“ (1.12.)
und ORF III in „Kultur Heute“ ein Kurzporträt (4.12.).
Am Freitag, den 28. November setzt sich die
Literaturwissenschafterin Sandra Richter ab 13.00 Uhr in „Punkt eins“
mit der Faszination Rilke auseinander.
Am Sonntag, den 30. November spricht in „Lebenskunst“ (7.05 Uhr)
der spirituelle Lehrer und Benediktinermönch David Steindl-Rast über
den Poeten. Für den mittlerweile 99-jährigen Mönch ist Rilke seit
seiner Jugend eine Art Leitstern, dessen Gedichte in die Tiefe des
Lebens führen. In „Du holde Kunst“ (8.15 Uhr) liest Joseph Lorenz
unter dem Titel „Und verschwendet an dieses atemlose blinde Spiel“
Dinggedichte von Rainer Maria Rilke u. a. aus den Sammlungen „Neue
Gedichte“ (1907) und „Der neuen Gedichte anderer Teil“ (1908).
Das Feature „Das Leiden an einer großen Liebe“ über Rilkes Zeit
in Paris ist in den „Tonspuren“ am Dienstag, den 2. Dezember ab 16.05
Uhr zu hören. 1902 ging ein junger Mann mittellos nach Paris. 1875 in
Prag geboren, war Rainer Maria Rilke auf der Suche nach neuen
literarischen Einflüssen, nach Vorbildern. Da kam der Auftrag, ein
Porträtbuch über den französischen Bildhauer Auguste Rodin zu
schreiben, der in Paris Furore machte, gerade recht. Als Rilke mit
Paris Bekanntschaft machte, traf ihn der Moloch der Metropole mit
voller Wucht: dichte Menschenmassen, Lärm, Armut, Schmutz und ein
hektisches Getriebe, das den jungen Mann überwältigte. Doch in Paris
lernte er sehen, wie Rilke sagte – und wie er es seinen Malte Laurids
Brigge sagen lässt, den Protagonisten in den berühmten
„Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“, an deren Niederschrift
Rilke acht Jahre seines Lebens arbeitete. In Paris lernt er Rodin und
dessen künstlerisches Credo kennen und macht es sich zu eigen: Man
muss immer arbeiten! Und so sehr die Großstadt ihn auch deprimiert,
so sehr verwandelt er das, was er hier sieht, hört, riecht und fühlt
in makellose Prosa und Verse. Immer wieder kam der große Reisende
Rilke, den es nach Russland ebenso wie nach Spanien zog, nach
Schweden wie nach Italien, in die Künstlerkolonie Worpswede bei
Bremen wie nach München, nach Paris zurück. 1914, zu Kriegsbeginn,
wurde der Österreicher Rilke zum feindlichen Ausländer, seine Wohnung
und seine Habe wurden beschlagnahmt. Erst elf Jahre später kam er
wieder zurück nach Paris – schon schwer gezeichnet von seiner
Krankheit, an der er 1926 sterben sollte.
„Vom Leben erleuchtet – Das Religiöse bei Rainer Maria Rilke“ ist
Thema von „Im Fokus“ am Mittwoch, den 3. Dezember ab 16.05 Uhr. Rilke
war kein kirchlich gebundener, wohl aber ein tief spiritueller
Dichter. Das Gebet wird bei ihm zur Poesie, das Dichten zum
spirituellen Akt. In den „Duineser Elegien“ und den „Sonetten an
Orpheus“ entfaltet sich eine Religion ohne Dogma – eine Feier des
Lebens, das durch Vergänglichkeit und Tod hindurch zur Tiefe findet.
„Stimmen hören“ (14.05 Uhr) befasst sich am Donnerstag, den 4.
Dezember mit „Rainer Maria Rilke – vertont“. Die Anziehungskraft von
Rilke blieb nicht auf den literarischen Bereich beschränkt. So ließen
sich etwa die drei zentralen Komponisten der „Zweiten Wiener Schule“
Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern von Rilke zu Lied-
Miniaturen inspirieren, der Schönberg-Schüler Egon Wellesz
transferierte die „Duineser Elegien“ in seine kantatenhafte „Duineser
Elegie“, Leonard Bernstein und Samuel Barber komponierten ebenso
Rilke-Lieder.
„Rilke – Die Wiederverzauberung der Welt“ lautet der Titel des
„Radiokolleg“ von Dienstag, den 9. bis Donnerstag, den 11. Dezember
jeweils ab 9.05 Uhr in Ö1. Die einen verehren Rainer Maria Rilke als
genialen Sprachmagier, der das „Ganze des Daseins“ in einer immer
zerrisseneren Welt noch einmal in Worte fassen wollte. Für die
anderen – den Philosophen Theodor W. Adorno etwa – war der
Beamtensohn aus Prag ein Edel-Kitschier, ein Fabrikant süßlicher
Gefühle, der selbst die Armut noch in weltfremden Versen zu
romantisieren suchte. In letzter Instanz, so Adorno, sei Rilke mit
seinen Dichtungen auf dem schmalen „Grat zum Faschismus“ gewandelt.
Heute, zu seinem 150. Geburtstag, sieht man den Schöpfer der „Sonette
an Orpheus“ differenzierter: als hochsensiblen „Dichter der Angst“,
als Wegbereiter der Moderne – und als poetischen Sinnsucher, dem es
um so etwas wie eine Wiederverzauberung der Welt gegangen ist. „Die
frühen Jahre“ sind Thema der ersten Sendung am 9. Dezember, die
weiteren Folgen: „Dichter der Angst“ (10.12.) und „Religion nach dem
Tod Gottes“ (11.12.).
Zwtl.: „Rilke – Du musst dein Leben ändern!“ in ORF 2
ORF 2 würdigt den Dichter zum 150. Geburtstag mit der neuen
Dokumentation „Rilke – Du musst dein Leben ändern!“ am Montag, den 1.
Dezember um 23.15 Uhr. Der Film von Thomas von Steinaecker begibt
sich auf die Spuren des außergewöhnlichen Lyrikers, der stets auf der
Suche nach dem Genius Loci rastlos Europa durchwanderte und als
Europäer par excellence bezeichnet werden kann. Die als Roadmovie
inszenierte Produktion findet für einige von Rainer Maria Rilkes
berühmtesten Gedichten eine innovative Bildsprache und holt den
Künstler in die Gegenwart.
Genau am Geburtstag, am Donnerstag, den 4. Dezember widmet ORF
III Rilke in „Kultur Heute“ (19.40 Uhr) ein Kurzporträt.