30 Jahre nach der Restaurierung: Neue Untersuchungen sichern den Erhalt des Riesentors

Wien (OTS) – Drei Jahrzehnte nach der umfassenden Restaurierung des
Riesentors am
Wiener Stephansdom werden die damals gesetzten Maßnahmen nun
wissenschaftlich überprüft und weiterentwickelt. Die aktuellen
Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse zum Zustand des
romanischen Steinbestands und bilden die Grundlage für künftige
Erhaltungsmaßnahmen.

Zwtl.: Restaurierung 1995-1997

30 Jahre liegen seit der letzten umfassenden Restaurierung des
Haupteingangs des Wiener Stephansdoms, des sogenannten Riesentors,
zurück. Während der mehrjährigen Restaurierungsarbeiten wurden die
Flächen des dekorativen Trichterportals sowie die Fassadenflächen des
Portalvorbaus konservatorisch und restauratorisch bearbeitet. Dabei
wurden die schädigenden schwarzen Gipskrusten entfernt und die
beeinträchtigten Steinoberflächen gefestigt. Unter den Schmutz- und
Krustenauflagen konnten zahlreiche Reste der ursprünglichen
Farbfassung nachgewiesen werden. Diese wurden eingehend untersucht,
dokumentiert und ausgewertet. Die Befunde verdeutlichen exemplarisch,
dass romanische Bauwerke ursprünglich vielfach farbenprächtig
gestaltet waren. Im Laufe der Jahrhunderte gingen diese Fassungen
durch Verwitterung und veränderte Gestaltungsauffassungen jedoch
häufig verloren. Neben Reinigung und Gesteinsfestigung wurden die
erhaltenen Farbreste gesichert, Fehlstellen ergänzt und eine
wesentliche bauliche Schutzmaßnahme umgesetzt: Durch die Errichtung
einer Dachkonstruktion über zuvor ungeschützten Bereichen konnte der
darunterliegende Steinbestand dauerhaft vor direktem Wassereintrag
geschützt werden. Da Feuchtigkeit zu den wichtigsten Schadensursachen
historischer Bausubstanz zählt, stellt dieser Schutz einen zentralen
Bestandteil der langfristigen Erhaltungsstrategie dar. Die Ergebnisse
der Rekonstruktionsversuche zu den ehemaligen Gestaltungsphasen
wurden von Univ.-Doz. Dr. Friedrich Dahm in der Publikation „Das
Riesentor“ veröffentlicht.

Zwtl.: Forschungsschwerpunkt 2024-2026

Zehn Jahre nach Abschluss der Arbeiten wurde eine Wartung
durchgeführt, bei der sämtliche Oberflächen trockengereinigt und
hinsichtlich ihres Zustands evaluiert wurden. Dabei zeigte sich
erstmals Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Schutzmaßnahmen.
2024 begann unter der Leitung von Mag. a Andrea Hackel (
Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung) die
Planung einer neuerlichen Zustandsbewertung des Riesentors. Diese
erfolgte in Zusammenarbeit mit der Dombauhütte sowie in enger
Abstimmung mit dem Landeskonservatorat für Wien und den
Verantwortlichen der Restaurierung der 1990er-Jahre. 2025 führte die
Abteilung für Konservierung und Restaurierung gemeinsam mit den
Restauratorinnen Mag. a Anna-Maria Tupy und Susanne Leiner eine
umfassende Evaluierung der vor rund 30 Jahren am Riesentor gesetzten
Restaurierungsmaßnahmen durch. 2026 wurden bereits erste Maßnahmen
zum Schutz des Riesentors umgesetzt. Im Fokus stehen die Reduktion
von Feuchtigkeits- und Salzschäden im Sockelbereich sowie zusätzliche
Schutzmaßnahmen für ein besonders witterungsanfälliges ornamentales
Gesims, um die romanische Originalsubstanz langfristig zu erhalten.

Ziel der Untersuchungen ist die Entwicklung eines fundierten
Maßnahmenkonzepts für den langfristigen Erhalt des romanischen
Portals. Die gewonnenen Erkenntnisse leisten zugleich einen wichtigen
Beitrag für den Forschungsschwerpunkt des Bundesdenkmalamtes zur
Weiterentwicklung von Methoden und Grundlagen für die langfristige
Evaluierung von Konservierungs-, Erhaltungs- und
Restaurierungsmaßnahmen.

FACHGESPRÄCH am 25. Juni 2026: „Das Riesentor von St. Stephan.
Evaluierung und Nachsorge 30 Jahre nach der Restaurierung“ (Curhaus,
Stephansplatz 3, 1010 Wien)

Die Geschichte der Restaurierungen, aktuelle
Untersuchungsergebnisse und geplante Maßnahmen werden bei einem
Fachgespräch vorgestellt. Internationale Expert:innen präsentieren
dabei vergleichbare Projekte und diskutieren aktuelle Fragen der
Konservierung und Denkmalpflege im Umgang mit mittelalterlichem
Kulturerbe.

Ing. in Mag. a Petra Weiss, Fachdirektorin des
Bundesdenkmalamtes: „Die Untersuchungen am Riesentor zeigen, wie
wichtig langfristige Forschung und regelmäßige Evaluierungen für die
Erhaltung historischer Originalsubstanz sind. Das Projekt hat
Vorbildcharakter für die Denkmalpflege und trägt dazu bei, unser
mittelalterliches Kulturerbe nachhaltig für kommende Generationen zu
bewahren.“

Arch. Dipl.-Ing. Wolfgang Zehetner, Dombaumeister, Dombauhütte
St. Stephan: „Das Riesentor ist weit mehr als ein historisches
Bauwerk – es bildet seit Jahrhunderten den spirituellen und
architektonischen Eingang des Stephansdoms. Umso größer ist unsere
Verantwortung, die wertvolle romanische Originalsubstanz zu bewahren.
Die aktuellen Untersuchungen zeigen, wie wichtig eine kontinuierliche
wissenschaftliche Begleitung ist, um ihren langfristigen Erhalt zu
sichern.“