Cashback-System für Lithium-Batterien als Mittel gegen die steigende Zahl an Brandereignissen in der Abfallwirtschaft

Wien (OTS) – Die Menge der Lithiumbatterien im Restmüll ist innerhalb
von zehn
Jahren auf das Vierfache gewachsen. Gleichzeitig steigt die Anzahl
der Brände in Betrieben der Abfallwirtschaft immer weiter und zeigt
neue Extremwerte bei der Branddauer, den betroffenen Abfallmengen und
den Schadenssummen. Umweltminister Norbert Totschnig berief bereits
zum zweiten Mal einen Runden Tisch ein, zu dem auch Expert:innen der
VÖA – Vereinigung öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe eingeladen
waren.

„Falsch entsorgte Lithium-Ionen-Batterien sind ein
Sicherheitsproblem für die Gesellschaft geworden“, stellt Ferdinand
Koch , Geschäftsführer der VÖA – Vereinigung öffentlicher
Abfallwirtschaftsbetriebe, fest. So war es erst Anfang Juli wieder
zum Großbrand in einem Wiener Abfallentsorgungsbetrieb gekommen, bei
dem eine solche Batterie Auslöser war. Tatsächlich hat sich die Zahl
unsachgemäß entsorgter Lithium-Ionen-Batterien seit 2016
vervierfacht. Diese Entwicklung fußt auf den immer größer werdenden
Einsatzgebieten solcher Batterien: „Wurde vor fünf Jahren noch gut
ein Drittel der batteriebetriebenen Geräte mit Lithium-basierten
Energiespeichern betrieben, ist es heute mehr als die Hälfte“, so
Koch .

„Als dringlichste Frage steht darum im Raum, wie die Sammelquote
von Lithium-Batterien erhöht werden kann, die momentan bei nur 13
Prozent liegt“, sagt VÖA-Vizepräsident Rainer Kronberger . Zentral
ist dabei, dass dies „sicher und ordentlich“ geschieht: „Die
Batterien müssen an den richtigen Stellen abgegeben werden – im
Handel und bei den Sammelstellen der österreichischen Kommunen.“
Nicht zuletzt ist dies auch eine Forderung der
Versicherungsgesellschaften an die Abfallwirtschaft, das Brandrisiko
muss sinken.

Zwtl.: Batterien-Sammlung und Recycling schonen Ressourcen

Genau mit dieser Herausforderung haben sich zahlreiche
Expert:innen auf Einladung des Bundesministeriums für Land- und
Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und
Wasserwirtschaft (BMLUK) beschäftigt. Auf Einladung von
Bundesminister Norbert Totschnig waren Kronberger und Koch für die
VÖA beim „Runden Tisch #2” mit dabei. Neben der Herausforderung, ein
nachhaltiges und sicheres Sammelsystem zu etablieren, wurde in der
Expert:innenrunde auch ein wichtiger Nebenaspekt beleuchtet: Das
Recycling von kritischen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer, das nicht
nur Ressourcen schont, sondern auch Kosten spart. In diesem
Zusammenhang brauche es eine komplette Systemumstellung.

Einiges ist bereits geschehen: Einweg-E-Zigaretten, die ja
Batterien enthalten, werden ab 1.1.2027 verboten. Zukünftig müssen
auch kleinste Elektroaltgeräte – das wären z.B. Mehrweg-E-Zigaretten
– von Verkaufsstellen mit mehr als 25 m² Verkaufsfläche
zurückgenommen werden. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Verdichtung
der Rücknahmestellen im Handel – und ein direktes Ergebnis aus dem
ersten Runden Tisch des Umweltministeriums”, wie Koch bestätigt. Der
Informationsfluss in Richtung Bevölkerung wurde verstärkt und vor
allem das Problem klar beim Namen genannt. „Klar aufgezeigt wurde
dabei die unmittelbare Gefahr: Bei unsachgemäßer Handhabung brennen
Batterien explosionsartig.”

„Die Abfallwirtschaft ist systemrelevant“, stellte Bundesminister
Norbert Totschnig gegenüber der VÖA und den anderen geladenen
Institutionen treffend fest: „Wir haben schon viel gemacht. Aber es
ist noch nicht genug, wir müssen kontinuierlich weiterarbeiten.“
Nicht zuletzt durch die österreichische Initiative im
Umweltministerrat werde sich auch die Europäische Kommission mit der
Problematik der Lithium-Ionen-Batterien befassen, wobei diese
naheliegenderweise im anstehenden Circular Economy Act geregelt
werden könnte.

Zwtl.: Cashback-System zur deutlichen Steigerung der Batterie-
Sammelquote

Tatsächlich ergab eine Studie, mit beauftragt von der VÖA –
Vereinigung öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe, dass die
Einführung eines Cashback-Systems als wirksame Lösung zur Reduktion
von Bränden funktionieren würde. Damit könnte die EU-Sammelquote bei
Gerätebatterien von 73 Prozent nicht nur erreicht, sondern sogar
überschritten werden. Je nach Kategorie – klein, mittel und groß –
soll es für jede einzelne Lithium-Batterie einen zuvor
aufgeschlagenen Betrag zwischen 50 Cent und 50 Euro als Cashback –
also Geld zurück – eben. Laut Studie könnten innerhalb von fünf
Jahren ab Einführung dieses Systems Brandschäden in Haushalten und
Unternehmen in der Höhe von insgesamt 480 Millionen Euro verhindert
werden. Zudem werden kritische Rohstoffe wie Lithium und Kupfer durch
Recycling in Europa gehalten und es wird die Abhängigkeit von
außereuropäischen Ländern verringert.

„Österreich hat die einmalige Chance, Vorreiter in Europa zu
sein. Wir sind überzeugt, dass die Ausarbeitung eines Cashback-
Modells am Beispiel Österreich ein wesentliches Best Practice-
Beispiel für die Überlegungen der Europäischen Kommission sein wird“,
so Kronberger . „Die Abfallwirtschaft brennt ja nicht nur in
Österreich, sondern auch in allen anderen Ländern, in denen Recycling
stattfindet.“ Und Koch ergänzt: „Nun gilt es, die frisch ins Leben
gerufene Task Force des BMLUK aktiv zu unterstützen und ganz konkret
machbare Lösungen für ein Cashback zu entwickeln. Die VÖA ist hier
mit dabei.“

Die erwähnte Studie wurde vom Industriewissenschaftlichen
Institut (IWI) in Kooperation mit Pöchhacker Innovation Consulting im
gemeinsamen Auftrag des Verbands der österreichischen
Entsorgungsbetriebe (VOEB), des Fachverbands der Entsorgungs- und
Ressourcenwirtschaft, der Arbeitsgemeinschaft österreichischer
Abfallwirtschaftsverbände und der VÖA – Vereinigung öffentlicher
Abfallwirtschaftsbetriebe durchgeführt.