Wien (OTS) – Der erstmals vorgelegte Heilmittelreport des
Dachverbands der
Sozialversicherungsträger offenbart die gesundheitspolitischen
Herausforderungen zur Absicherung einer qualitativ hochwertigen
Arzneimittelversorgung in Österreich. Aus Sicht der Apothekerschaft
ist es besonders erfreulich, dass es den rund 7.000 Apothekerinnen
und Apotheker erfolgreich gelungen ist, die auftretenden
Lieferengpässe abzufedern. Damit dieses Engpass-Management auch in
Zukunft sichergestellt ist, muss der Versorgungsort Apotheke gestärkt
werden.
„Da sich die angespannte globale Produktions- und
Lieferkettensituation nicht entspannen wird, werden wir
Apothekerinnen und Apotheker weiterhin stark gefordert sein. In jeder
Apotheke ist laufend jemand mit der Bewältigung von Lieferengpässen
beschäftigt – von der Suche nach Alternativen über Rücksprachen mit
Ärztinnen und Ärzten bis hin zu zeitaufwändigen Eigenherstellungen.
Es ist höchste Zeit, dass die personal- und zeitintensive Bewältigung
von Lieferengpässen in den Apotheken nicht nur in Heilreporten
anerkannt, sondern finanziell angemessen honoriert wird“, so
Apothekerkammer-Vizepräsident Raimund Podroschko.
Es gibt keinen niederschwelligeren Versorgungsort im
Gesundheitssystem als die öffentlichen Apotheken. Mit 1.470
öffentlichen Apotheken, bis zu 600.000 täglichen Patientenkontakten
und ihrer gesetzlich verankerten Stellung als Teil der kritischen
Infrastruktur ist die Apotheke der meistfrequentierte
Primärversorgungspunkt Österreichs. Jede Apotheke und die
österreichischen Großhändler verfügen über ein großes
Medikamentenlager, um Menschen mit ganz unterschiedlichen Krankheiten
und Beschwerden zu jeder Zeit mit dem passenden Arzneimittel
versorgen zu können. Rund 6.000 unterschiedliche Medikamente befinden
sich im Lager einer öffentlichen Apotheke. Insgesamt werden im
Schnitt rund 24.000 Medikamentenpackungen bevorratet. Jede Apotheke
wird drei- bis viermal am Tag vom pharmazeutischen Großhandel
beliefert, sodass nicht vorrätige Medikamente binnen weniger Stunden
vor Ort organisiert und an die Patientinnen und Patienten sowie
Kundinnen und Kunden abgegeben werden können.
Während der Versorgungsort Apotheke immer bedeutender wird, gerät
dieser gleichzeitig wirtschaftlich immer stärker unter Druck. „Die
Spannen der Apotheken für verschriebene Arzneimittelspezialitäten auf
Krankenkassenkosten befinden sich seit 50 Jahren im Sinkflug: von
damals rund 28 Prozent auf heute etwa elf Prozent. Gleichzeitig sind
die Kosten für Personal, Energie, Mieten und Software stark
gestiegen. Jede vierte Apotheke hat mittlerweile große
Schwierigkeiten, die Kosten eines angestellten Leiters bzw. einer
angestellten Leiterin zu erwirtschaften. Wenn diese Entwicklung nicht
gestoppt werden kann, dann wird der nächste Heilmittelreport ein
Apothekensterben in Österreich thematisieren müssen“, warnt Gerhard
Kobinger, 2. Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer.